Ein hoher medizinischer und pädagogischer Standard und ein verbessertes Wissen um Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen mit Down-Syndrom ermöglicht ihnen in vielen Ländern ein relativ normales, in die Gesellschaft zunehmend gut integriertes, gesundes und langes Leben zu führen. In bestimmten Regionen besteht diese Möglichkeit noch nicht oder nur teilweise.
In Russland wird auch heute noch den Eltern nach der Geburt eines Kindes mit Behinderung, so auch im Falle eines Down-Syndroms, geraten, den Säugling in ein Heim zu geben. Durch unzureichende personelle und materielle Ausstattung, Mangelernährung, unhygienische Zustände, wenig Bewegungsfreiheit und so gut wie keine pädagogische Zuwendung, Förderung und Therapie lernen die wenigsten Kinder mit Down-Syndrom das Laufen und Sprechen. Die meisten versterben im Kindesalter, da sie medizinisch kaum bzw. nur ungenügend behandelt werden. Eine Schulbildung ist wenn überhaupt nur für leicht beeinträchtigte Kinder und Jugendliche vorgesehen und Arbeitsmöglichkeiten für erwachsene Menschen mit Behinderung nur sporadisch vorhanden.
Im Jahr 2001 fand in Rumänien die erste Down-Syndrom-Konferenz statt. Im Jahr 2002 wurde erstmals rumänische Literatur mit Basiswissen über Trisomie 21 veröffentlicht. Allerdings hat Rumänien Bestrebungen angestellt, um mittels Kontakt zu anderen Ländern Informationsdefiziten entgegenzutreten. In der Stadt Băileşti gibt es seit wenigen Jahren eine Schule speziell für Kinder mit Down-Syndrom, die Centrul Teodora.
Im Jahr 1997 gründete sich in Slowenien innerhalb der Vereinigung Sozitje, einem Verein für Menschen mit geistiger Behinderung, eine Elterngruppe, die bis mindestens 2003 die landesweit einzige Down-Syndrom-Selbsthilfegruppe war. Durch EU-Fonds unterstützt hat sie erreicht, dass für die Kinder der Mitglieder (ca. 120 im Jahr 2003) drei Jahre lang Frühförderung angeboten wird.
Die erste Selbsthilfegruppe für Eltern von Kindern mit Down-Syndrom wurde in Polen im Jahr 1995 gegründet. Bis dahin gab es kaum einschlägige Literatur in Polnisch.
Spanien nimmt bei der schulischen Integration von Kindern mit Down-Syndrom in Europa eine Vorreiterrolle ein: Im Jahr 2003 besuchten bereits 85 % der Kinder eine Regelschule und nur 15 % wurden sonderbeschult. Allerdings lag die Rate derjenigen Menschen mit Trisomie 21, die nach dem Schulbesuch ins reguläre Arbeitsleben integriert wurden, bei lediglich 3 %.
Im Jahr 2003 lebten 450 Menschen mit Down-Syndrom auf der Insel Malta. Die Kinder wachsen in der Regel zweisprachig auf (Maltesisch und Englisch) und leben oft bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter bei ihrer Familie. Ältere Menschen und Senior/innen wohnen meist in kirchlich oder staatlich getragenen Heimen, im Seniorenalter nicht selten auch in Regeleinrichtungen. Auf Malta gibt es ein Down-Syndrom-Center. Es dient als Begegnungsstätte, und dort werden Therapien und Informationsveranstaltungen angeboten.
Gesetzlich festgeschrieben ist in der Volksrepublik China, dass lebend geborene Kinder mit Down-Syndrom aufgezogen werden müssen. (Die Ein-Kind-Regelung gilt nach ärztlich bestätigter Diagnose nicht. Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom haben das Recht auf ein weiteres Kind). Bis auf sporadische Ausnahmen werden Kinder mit Trisomie 21 nach der Geburt im Krankenhaus gelassen und im Falle des Überlebens in Heime gegeben. Eltern, die sich dazu entschließen, ihr Kind selbst aufzuziehen, sehen sich meist sowohl mit gesamtgesellschaftlichen als auch mit innerfamiliären Widerständen konfrontiert. Frühförderung gibt es nicht, Schulbildung wird für Kinder mit Behinderung meist als nebensächlich erachtet, medizinische Interventionen müssen oftmals schwer erkämpft und komplett selbst gezahlt werden (z. B. Herzoperationen). Die Sterberate im Kindesalter ist entsprechend hoch. Unter der Hand wird insbesondere manchen Eltern aus Provinzregionen empfohlen, ihr Kind zu töten. In der LmDS (Lit.: Nr. 43, S. 49) wird von Zuständen „ähnlich wie in Europa vor fünfzig Jahren“ gesprochen.
Norwegen hat ein großes und breit gefächertes Angebot an Hilfsmöglichkeiten. Sondereinrichtungen gibt es nicht; die volle Integration in die Gesellschaft besteht größtenteils. Durch ein Überangebot an Hilfen und die Dauerbegleitung von Helfern könne die Entwicklung der Selbständigkeit teils gehemmt werden, meinen Kritiker.
In den USA haben Adoptionsagenturen für Kinder mit Down-Syndrom, die vor wenigen Jahren noch als schwer- oder unvermittelbar galten, heute lange Wartelisten. Darüber hinaus besuchen Kinder mit Trisomie 21 oft öffentliche Regelschulen und bekommen an der High-School den Universitätszugang mit individuell angepassten Lernzielen. In den USA wird Down-Syndrom von vielen Menschen mittlerweile „als ein zu bewältigender Unterschied aufgefasst und nicht mehr als ein unüberwindbares Problem“ (LmDS, Nr. 53, 9/2006, S. 42). Auch Eheschließungen von Erwachsenen mit Down-Syndrom sind möglich, jedoch selten.
Das Information- und Hilfsangebot für Eltern von Kindern mit Down-Syndrom in Bosnien-Herzegowina ist gering. Die meisten Kinder wachsen ohne Förderung auf, Krankengymnastik beispielsweise wird nur in Einzelfällen in Anspruch genommen. Unter dem Motto „Open your eyes!“ fand im September 2006 im Olympiastadion von Sarajevo die Gründungsfeier von „Down Sy“, des ersten Down-Syndrom-Vereins des Landes, statt. Der Anstoß für die Gründung kam aus der Initiative einiger Eltern von Kindern mit Trisomie 21, die sich künftig auch öffentlich dafür einsetzen wollen, die Lebens- und Entwicklungsbedingungen für Menschen mit Down-Syndrom durch u.a. qualifizierte Elternberatung, Integration, Fortbildungen für Pädagogen sowie internationalen Austausch zu verbessern. Die Herausgabe einer Vereinszeitschrift ist ebenfalls geplant.
- Arbeitskreis Down-Syndrom e.V.: Zeitschrift Mitteilungen - Selbsthilfe von Menschen mit Down-Syndrom, von ihren Eltern und Geschwistern in Deutschland, ISSN 0943-443
- Marion Baldus: Von der Diagnose zur Entscheidung. Eine Analyse von Entscheidungsprozessen für das Austragen der Schwangerschaft nach der pränatalen Diagnose Down-Syndrom. 2006, ISBN 3-7815-1454-4
- Karolin Borlinghaus: Vorurteile... und Antworten, 2002, ISBN 3-925698-20-5
- Karen Stray-Gundersen (Hrsg.): Babys mit Down-Syndrom - Erstinformationen für Eltern und alle anderen Interessierten, 3. Aufl., 2003, ISBN 3-925698-71-X
- Leben mit Down-Syndrom, ISSN 1430-0427
- Norbert J. Pies: John Langdon-Haydon Langdon-Down. Ein Pionier der Sozialpädiatrie. 1996, ISBN 3-7650-1739-6
- Wolfgang Storm: Das Down Syndrom - Medizinische Betreuung vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter, 1995, ISBN 3804714072
- Hermann Stüssel (Hg.): Das Puzzle muß vollständig sein. Alle - auch Menschen mit Down-Syndrom - haben ihren Platz, 2002, ISBN 3-926278-45-5
- Etta Wilken: Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom, 10. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020148-4
- Etta Wilken: Menschen mit Down-Syndrom in Familie, Schule und Gesellschaft, 2004, ISBN 3-88617-308-9
- Beatrix Wohlfahrt: Gründe und beeinflussende Faktoren für die Fortsetzung der Schwangerschaft nach der Diagnose eines Down-Syndroms, 2002, ISBN 3-936231-50-8